• Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs!

    Die sechzehnte Ausgabe des Castle Rock Festivals auf Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr war zweifellos das heißeste Festival dieses Sommers. Die Temperaturen waren nicht unweit von vierzig Grad und zudem wehte keinerlei Wind. Als Abkühlung mussten also ein Gartenschlauch, jede Menge alkoholfreier Getränke und ein paar vereinzelte schattige Plätzchen sorgen. Trotz dieser schwierigen Bedingungen hatten sich ein paar Tausend Menschen dazu überwunden der Hitze zu trotzen und diesem kleinen, aber feinen Festival die Treue zu halten. Auch für de Bands, die am Samstag schon zur Mittagshitze auf die Bühne kamen, war es sicher nicht immer ein angenehmes Unterfangen. Um so höher ist es anzurechnen, dass alle Künstler ans Limit gegangen sind und auch das Publikum aktiv mitgemacht hat.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Aeverium: Die erste Band des Samstags war gleich auch die positivste Überraschung für mich, denn ich hatte von dieser Gruppierung noch nie etwas gehört. Bei dem Sextett aus Viersen handelt es sich um eine junge Symphonic Metal Band, bei der eleganter weiblicher Gesang auf heftigen männlichen Gesang trifft. Bands wie Epica und Nightwish, aber auch In Flames und Type 0 Negative stehen bei der Gruppierung Pate. Die Band konnte mich trotz kurzer Spieldauer vollends überzeugen, da sie stets gut mit dem Publikum kommunizierte, mit wilder Leidenschaft spielte und auch einige interessante Showelemente eingebaut hatte. Die Gruppierung muss vielleicht noch ein wenig ihren eigenen Stil finden, aber Talent, Inspiration und Abwechslungsreichtum sind zu Genüge vorhanden.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Vlad in Tears: Hierbei handelt es sich um ein Gothic Rock Quartett aus Berlin, das bereits seit zehn Jahren existiert. Musikalisch erinnert diese reine Männerband an Gruppen wie HIM und Lord of the Lost. Zwar hatte die Gruppe handwerklich etwas drauf und ein paar eingängige Stücke im Gepäck, wirkte auf mich aber nicht eigenständig genug und etwas zu sehr auf die Show anstelle der Musik bedacht.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    The Other: Hierbei handelt es sich um die wohl berühmteste deutsche Horror Punk Band, die dank einiger Besetzungswechsel treibend und zwingend wie selten zuvor klang. Ich hatte die Band bereits einige Jahre zuvor auf einem Festival gesehen, aber erst in diesem Jahr hat sie wirklich meine Aufmerksamkeit erregt. Die Lieder waren meist sehr eingängig und rockig, aber es waren auch einige angenehm altmodische und gediegene Stücke dabei, die beispielsweise Richtung Rockabilly gingen. Fans von Misfits, The 69 Eyes und Wednesday 13 sollten die Band mal antesten. 

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Heldmaschine: Bei diesem Quintett aus Koblenz handelt es sich um eine Neue Deutsche Härte Gruppierung, die einst als Coverband Rammsteins anfing. Leider hat die Band nicht die Genialität ihrer Idole und wirkt musikalisch schablonenhaft und textlich redundant. Für mich klang die Band nach einer Mischung aus Stahlmann und Mono Inc. Das kann man sich hin und wieder mal ganz gut als Hintergrundbeschallung anhören, aber es hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Immerhin sorgte die bunte Bühnenshow für ein Mindestmaß an Unterhaltung.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Whispers in the Shadows: Diese Band ist ein österreichisches Quintett, das seit fast zwanzig Jahren gediegenen Dark Wave mit einem Schuss Gothic Rock verbindet. Die Gruppierung klingt genau wie ihre Beschreibung. Das Quintett ist durchaus anhörbar, aber alles Andere als originell. Nach einer Weile nervten die trägen Lieder und klangen für mich fast alle gleich.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Staubkind: Bei dieser Band hatte ich von Anfang an bedenken, da viele ihrer Fans entweder recht normal gekleidete Mädchen oder aber übergewichtige weibliche Singles in den Dreißigern waren. Zwar sollte man eine Band nicht unbedingt am Aussehen ihres Anhangs messen, aber das Quartett aus Berlin klang für mich in der Tat nach einer Art Unheilig light für die nächste Generation. Musikalisch klang die Gruppe erschreckend unauffällig und die Texte klangen verkrampft gefühlsduselig. Zwar kam die Band immerhin ehrlich und sympathisch herüber, die erstaunlich zahlreichen Fans feierten die Gruppe euphorisch ab und die Kommunikation mit dem Publikum war außergewöhnlich gut, aber für mich ist diese Art von Musik nichts Anderes als seichte Popmusik für Leute mit leicht depressivem Einschlag. Mit Gothic Rock hat das Ganze ähnlich viel zu tun wie LaFee und ist wohl einfach nicht mein Fall.

    Castle Rock XVI in Mülheim an der Ruhr

    Joachim Witt: Der exzentrische Künstler kann auf eine langjährige Karriere zurückblicken, in der er viele verschiedene Genres abgetastet hat. Joachim Witt bot an diesem Abend einen abwechslungsreichen Querschnitt seiner Karriere und überzeugte zudem durch urige Ansagen, einen verschrobenen Humor und viel Spielfreude bei einer Setlist, die eine gute Viertelstunde länger dauerte als eigentlich angedacht gewesen war. Dabei versprühte der kontroverse Altmeister jede Menge Charisma und übertraf meine Erwartungen deutlich. Irgendwie sangen am Ende des Konzert selbst die größten Zweifler sowohl seine moderneren düsteren Stücke, als auch seine uralten Schlager mit. Joachim Witt war somit ein ehrwürdiger Headliner eines erneut abwechslungsreichen, familiären und stimmungsvollen Festivals, das ich zukünftig gerne wieder besuchen möchte und welches sich für mich über die letzten Jahre hinweg zum besten Festival der Schwarzen Szene im deutschsprachigen Raum gemausert hat. 

    « Travelling across Germany: Trier, Paderborn and DetmoldZirkus Zeitgeist »
    Partager via Gmail Delicious Technorati Yahoo! Google Bookmarks Blogmarks Pin It

  • Commentaires

    Aucun commentaire pour le moment

    Suivre le flux RSS des commentaires


    Ajouter un commentaire

    Nom / Pseudo :

    E-mail (facultatif) :

    Site Web (facultatif) :

    Commentaire :