Eklablog Tous les blogs
Editer l'article Suivre ce blog Administration + Créer mon blog
MENU

by Sebastian Kluth

Kapitel 23

Kapitel 23: Donnerstag, 9 Uhr 56, Speisesaal



Weniger als eine halbe Stunde war seit der zweiten bedrohlichen Entdeckung des Tages vergangen, als Thomas und Mamadou in frischen Anziehsachen den Speisesaal betraten, der sich schon weitestgehend gefüllt hatte. Ein unruhiger Direktor lief am Tischende hin und her und klatschte entschlossen in die Hände, als er die beiden Ankömmlinge sah. Diese nahmen rasch Platz. Thomas warf einen Blick auf seine beiden Sitznachbarinnen. Elaine Maria da Silva wirkte ruhig, lächelte ihm süffisant zu und wirkte in keiner Weise beunruhigt, während Paola Francesca Gallina kreidebleich war und nervös mit ihren geradezu sehnigen Händen auf der Tischkante herumtrommelte.


„Meine sehr verehrten Gäste. Auf Grund des gestrigen Todesfalls möchte ich ihnen mitteilen, dass wir, da die Leitungen lahm gelegt sind, uns genötigt fühlen diese Insel und das Schloss noch heute zu verlassen. Um ihnen die Zeit einzuräumen ihre Sachen zusammenzupacken und noch in aller Ruhe Mittag zu essen, schlage ich ihnen vor, dass wir uns um exakt 15 Uhr an meiner Yacht treffen.“, teilte der Direktor mit nervösem Tonfall mit und sah sich lauernd um.


„Eine Frage, Herr Direktor. Werde ich mir kurz zuvor noch erlauben dürfen das Schiff ein wenig näher zu betrachten? Sie versprachen mir bei unserer Ankunft gestern, dass sie mir noch den Maschinenraum zeigen wollten.“, meldete sich Fatmir zu Wort und erntete für eine solche Lappalie einen frostigen Blick des Direktors.


„Von mir aus dürfen sie sogar die Maschinen anmachen und die Yacht steuern, wenn es Ihnen beliebt.“, gab Doktor Marcel Wohlfahrt mühsam knurrend zurück.


Mürrisch wandte er sich an die verbleibenden Gäste und eröffnete das Frühstück, als sich nun auch Paola Francesca Gallina fingerschnipsend zu Wort meldete.


„Herr Direktor, ist an dem Gerücht etwas dran, dass es sich bei dem gestrigen Vorfall um einen Mord handelt?“, fragte die Italienerin nervös.


„Nein. Es gab keinen Mord und so wahr ich hier stehe wird es in meinem Schloss auch keinen Mord geben!“, fuhr er sie an und schlug wütend mit der Faust auf den Tisch, sodass dieser bedrohlich wackelte, während die Fragende sich ängstlich zurückzog und sich nervös und pikiert umsah.


In diesem Moment trat Jeanette Rodin-Gagnon in den Speisesaal. Der Direktor schien vorher übersehen zu haben, dass noch nicht alle Personen anwesend gewesen waren. Die Französin wirkte seltsam bleich und als noch erstaunlicher empfand Thomas die Tatsache, dass sie in ihrer linken Hand ein Rosenbouquet hielt. Nervös taumelte die bildhübsche Dame auf Thomas zu, der sich instinktiv erhob und ihr verwundert entgegentrat.


Die restlichen Gäste tuschelten nervös und blickten der Französin eher feindselig, als besorgt entgegen. Offenbar brachte man sie insgeheim mit dem gestrigen Vorfall in Verbindung.


„Was zur Hölle...?“, fragte Thomas, der als Einziger mit einer düsteren Vorahnung vor Schreck aufgesprungen war, doch er hatte seinen Satz noch nicht einmal beendet, als die junge Französin plötzlich die Augen verdrehte und ihm entgegenfiel. Die Rosen ließ sie dabei fallen, sodass sie wild zerstreut auf dem Boden lagen.


Thomas fing Jeanette sofort auf und ging mit ihr in die Knie. Ihr Gesicht wirkte blass und unbeweglich, ihre Augen waren geschlossen. Voller Angst fühlte er ihre schweißnasse Stirn und sprach sie nervös an, doch sein großer Schwarm zeigte keinerlei Reaktionen. Verwirrt tastete er nach ihrem Puls und wollte sie auf die Beine zerren, doch da brach ihr Körper in sich zusammen und glitt zu Boden. Dumpf schlug sie inmitten der Rosen auf und rührte sich nicht.


Thomas ging in die Knie, fasste nach der zarten Hand der Französin und Tränen schossen in seine Augen. Kopfschüttelnd flüsterte er ihren Namen, legte seinen Kopf lauschend auf ihre wohlgeformte Brust, doch er hatte die bittere Wahrheit bereits erkannt und musste den schockierenden Tatsachen leider ins Auge sehen. Er warf seinen Kopf zurück, seine Haarsträhnen hingen wirr über seine tränenverschmierten Wangen. Ächzend holte er Luft und ließ die aufgeschreckten Gäste an seiner Erkenntnis durch einen schmerzerfüllten Schrei teilhaben.


„Sie ist tot!“

Retour à l'accueil
Partager cet article
Repost0
Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :